Bulgarien : Die Ratifizierung des Nationalen Plans für Seltene Krankheiten

Bulgarien an vorderster Front

FEastern European Conference for Rare Diseases 2009 logo  | logo | insignia | marchio | Firmenzeichenast auf den Tag genau vier Jahre nachdem der Bulgarische Verein zur Förderung von Bildung und Wissenschaft (BAPES) dem bulgarischen Gesundheitsministerium einen ersten Antrag zur Schaffung eines Nationalen Plans für Seltene Krankheiten und Orphan-Medikamente unterbreitet hatte, wird dieser Plan jetzt umgesetzt.  „In diesem Jahr, 2009, ist Bulgarien eines der wenigen Länder in Europa, das mit der Umsetzung seiner eigenen Strategie für seltene Krankheiten beginnt“, sagt Dr. Rumen Stefanov, Präsident von BAPES.  „Die ersten Arbeiten werden, wie im Plan vorgesehen, der Verbesserung der vorgeburtlichen Tests und des Neugeborenen-Screenings gewidmet sein. Weiterhin wird damit begonnen, Kriterien und Prozeduren für die offizielle Kennzeichnung von Referenzzentren für seltene Krankheiten zu erarbeiten.“

Die Geschichte beginnt bald nach der Gründung des Informationszentrums für Seltene Krankheiten und Orphan-Medikamente (ICRDOD), einem Projekt von BAPES. Eine der Hauptaufgaben des ICRDOD zu dieser Zeit war die Ausarbeitung eines Antrages auf Etablierung eines Nationalen Programms für Seltene Krankheiten und Orphan-Medikamente, der dann Ende 2004 dem bulgarischen Gesundheitsministerium unterbreitet wurde. Wenig später, 2005, erschien in "Health Care Management", einer führenden Zeitschrift für das Öffentliche Gesundheitswesen, ein Artikel über aktuelle Aktivitäten der EU, in dem auch detailliert über die Etablierung nationaler Regelungen für seltene Krankheiten und Orphan-Medikamente informiert wurde. Im Mai 2005 folgte die Erste Ost-Europäische Konferenz für Seltene Krankheiten und Orphan-Medikamente, die die gesundheitspolitische Eastern European Conference 2005  | Conférence de l'Europe de l'Est sur les maladies rares 2005 | Conferencia de Europa del Este sobre Enfermedades Raras 2005 | conferenza europea sulle malattie rare 2005 | Conferência da Europa de Leste sobre as Doenças Raras 2005  | Ost-Europäische Konferenz für Seltene Krankheiten 2005Bedeutung der seltenen Krankheiten zum Thema hatte. Alle diese Aktivitäten weckten die Aufmerksamkeit der Politiker und verhalfen der Idee, einen Nationalen Plan für Seltene Krankheiten zu schaffen, zum Durchbruch.

Am 9. Februar 2006 legte das ICRDOD dem bulgarischen Gesundheitsministerium einen überarbeiteten Antrag für die Schaffung eines Nationalen Plans für Seltene Krankheiten vor. Diese Initiative wurde nicht nur von führenden europäischen Organisationen unterstützt, u.a. von der Rare Disease Task Force, von Orphanet, und von EURORDIS, sondern auch von wichtigen medizinischen Meinungsführern Bulgariens. Dieser Antrag führte zu einem Erlass des früheren Gesundheitsministers, in dem die Bildung der ersten offiziellen Expertengruppe unter Leitung von Dr. Rumen Stefanov angeordnet wurde. Die Gruppe hatte die Aufgabe, für die Jahre 2007-2011 einen Nationalen Plan für Seltene Krankheiten auszuarbeiten und dem Ministerium vorzulegen, was dann auch im November 2006 erfolgte. Zwischenzeitlich warben Patientengruppen unter dem Dach der Bulgarischen Nationalen Allianz der Menschen mit Seltenen Krankheiten (NAPRD) aktiv für die Annahme des Planes durch den Parlamentarischen Gesundheitsausschuss und das Ministerium. Am 27. November 2008 ratifizierte der Ministerrat Bulgariens offiziell den  ‚Nationalen Plan für Seltene Krankheiten - Genetische Krankheiten, Angeborene Fehlbildungen und Nichterbliche Krankheiten (2009-2013)'.

Der Nationale Plan für Seltene Krankheiten umfasst neun Prioritäten:

1. Sammlung epidemiologischer Daten über seltene Krankheiten und Schaffung eines nationalen Registers.
2. Verbesserte Prävention genetisch bedingter seltener Krankheiten durch Erweiterung der laufenden Screeningprogramme.
3. Verbesserte Prävention und Diagnostik genetisch bedingter seltener Krankheiten durch Einführung neuer genetischer Tests, Dezentralisierung der Laboranalysen und besseren Zugang zu medizinisch-genetischer Beratung.
4. Gemeinsame Strategien für Prävention, Diagnose, medizinische Behandlung und soziale Integration der Patienten und ihrer Familien.
5. Förderung der beruflichen Qualifikation medizinischer Spezialisten auf den Gebieten früher Diagnostik und Prävention seltener Krankheiten.
6. Machbarkeitsstudie über Notwendigkeit, Möglichkeit und Kriterien der Schaffung eines arbeitsfähigen Referenzzentrums für seltene Krankheiten.
7. Organisation einer nationalen Kampagne zur Information der Gesellschaft über seltene Krankheiten und ihre Prävention.
8. Unterstützung von nichtstaatlichen Organisationen und Patientenverbänden für seltene Krankheiten und Zusammenarbeit mit ihnen.
9. Zusammenarbeit mit den anderen EU-Mitgliedstaaten.

Dr Rumen Stefanov„Der wichtigste Punkt in diesem komplexen Prozess ist die Tatsache, dass der Ministerrat nicht nur dem Plan selbst zustimmte, sondern auch gleich die notwendigen finanziellen Mittel für seine Umsetzung bereitstellte“, erläutert Dr. Stefanov. Das Gesamtbudget des Planes beträgt etwa 22.1М BGN (etwa 11,3 Millionen Euro). Nicht nur diese finanziellen Sicherung lässt erwarten, dass der Plan ein Erfolg wird, sondern jetzt auch das aktive Bemühen seiner Initiatoren, ihn mit Leben zu füllen. Im Dezember 2008 wurde beim Gesundheitsministerium das Nationale Beraterkomitee für Seltene Krankheiten gegründet. Es ist verantwortlich für die Umsetzung des Plans. Zu seinen Mitgliedern zählen nicht nur Experten aus verschiedenen Fachrichtungen, sondern auch Repräsentanten der Nationalen Allianz der Menschen mit Seltenen Krankheiten, die Patientenorganisationen konsultieren und sicherstellen, dass diese am Verfahren beteiligt sind.

Der relativ schnelle Aufstieg der seltenen Krankheiten zu einer Priorität im bulgarischen Gesundheitswesen ist Grund zur Hoffnung für andere Länder, die Gleiches planen.  „Wir begannen mit sehr wenigem, in einem Land mit großen ökonomischen Problemen, und wir waren überhaupt nicht sicher, ob die seltenen Krankheiten eine Chance haben würden. Dennoch gewann die Sache die Aufmerksamkeit, die sie verdient, auch durch unsere Einbindung in die Europäische Union und die praktischen Vorbilder in anderen europäischen Ländern, von denen wir lernen konnten“, sagt Dr. Stefanov.  „Jetzt bleibt nur noch der schwerste Teil, die Umsetzung des Plans.“ Und Wege zu einer tatkräftigen Umsetzung des Plans sollen vom 13.-14. Juni 2009 in Plovdiv auf der Vierten Ost-Europäischen Konferenz über Seltene Krankheiten und Orphan-Medikamente diskutiert werden.

Für weitere Informationen:
Hier können Sie die nichtoffizielle Übersetzung (englisch) des Bulgarischen Nationalen Plans für Seltene Krankheiten lesen.


Dieser Beitrag erschien in der  Juniausgabe 2009 unseres Rundbriefs.


Autor: Paloma Tejada
Übersetzer: Ulrich Langenbeck
Fotos: Eastern European conference photos © ICRDOD;
Dr Rumen Stefanov © http://www.mjms.ukim.edu.mk/MJMS_Boards.htm

Page created: 19/08/2009
Page last updated: 01/07/2011