Radfahren in Australien zum Spendensammeln für die Forschung

PATIENTEN FÖRDERN FORSCHUNG

 

Tandem-FahrerStellen Sie sich das vor: Ein Mal im Leben 700 km weit durch die magischen Landschaften Australiens radeln – Eine persönliche Herausforderung, die man nie wieder vergisst – Geld für die Erforschung seltener und sehr seltener Augenkrankheiten sammeln – Freunde für’s Leben finden ... und das alles zur gleichen Zeit. Ein Luftschloss? Nein. Mehr als 40 Menschen haben gerade das Gegenteil bewiesen, dank Fighting Blindness, eines in Irland angesiedelten gemeinnützigen, forschungsfördernden Vereins.

 

Fighting Blindness finanziert weltweit führende Forschungsarbeiten über Methoden der Behandlung und Heilung von Blindheit und organisiert für sehbehinderte Menschen und ihre Familien und für Menschen mit anderen genetischen Krankheiten einen einmaligen professionellen Beratungsdienst. „Im Jahr 2000 arbeitete Fighting Blindness mit nur drei Mitarbeitern, förderte aber schon sechs Forschungsprojekte und hatte keine staatliche Unterstützung“, sagt Avril Daly, Mitglied im Vorstand von EURORDIS und bei Fighting Blindness verantwortlich für öffentliche Angelegenheiten. „Deshalb mussten wir erfinderisch sein und mit ganz unterschiedlichen Methoden versuchen, für die Forschung zu arbeiten. Dazu gehört auch, die Patienten selbst an der Finanzierung von Forschungsprojekten zu beteiligen. So entstand die Idee der Expeditionen und anderer aktiver Veranstaltungen.“

 

Firmenzeichen – Whizzards of OzDas Konzept ist erstaunlich einfach. Jeder Teilnehmer an der Radtour durch Südost-Australien im Oktober 2009 musste mindestens €6.200 Spenden sammeln, zur Finanzierung der eigenen Teilnahme, und um Fighting Blindness finanziell zu unterstützen. Bei der Registrierung versorgte die Organisation sie mit einem Spendenpaket, mit nützlichen Ratschlägen und mit allem was nötig war, um das angestrebte Ziel ihrer Spendenaktion zu erreichen. Für alles war dann gesorgt, vom Flugticket nach Australien und zurück über Transfers, Essen und Unterkunft bis zu örtlichen Führern, Hilfen und medizinischer Betreuung. Die Teilnehmer an der Australien-Tour 2009 kamen aus allen Bereichen des Lebens: Patienten und ihre Familien, interessierte Bürger, Junge, Alte, erfahrene Radler, Anfänger. Die meisten sehbehinderten Teilnehmer fuhren auf einem Tandem, zusammen mit einem normalsichtigen Piloten. Der Kurs war sorgfältig ausgesucht und wirklich einmalig: Er begann auf der Great Ocean Road, eine der landschaftlich besonders schönen Küstenstraßen. Die Fahrt ging auch durch mehrere Nationalparks und Townships, die für Australien so typischen kleinen Ortschaften. Der Höhepunkt von allem war aber schließlich der Melbourne Cycling Festival Ride mit nicht weniger als 16.000 Radfahrern! Und natürlich war es nicht möglich, eine Reise nach “Down Under” zu beenden ohne dem multikulturellen Sydney “G’day” gesagt und die atemberaubende Bay und ihre Umgebung bewundert zu haben.

 

2 RadfahrerNora O’Sullivan hatte bereits an ähnlichen Veranstaltungen in China, Südafrika und Argentinien teilgenommen, aber sie freute sich trotzdem schon sehr auf die Reise nach Australien. „Eine persönliche Herausforderung durchzustehen, ist immer wieder etwas Besonderes“, sagt sie, „aber etwas zusammen mit Sehbehinderten zu unternehmen, ist der Höhepunkt. Es hilft Dir zu erkennen, dass nicht Behinderung das Thema ist: Es geht um die Fähigkeit, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen! Immer wieder ist es phantastisch, Menschen zu treffen und in ihre Kulturen einzutauchen, und dazu dieser herzliche Empfang, großartig.“ John Lynkey hat eine Retinitis pigmentosa, aber auf seinem Rad fuhr er allein. „Noch bin ich unabhängig genug, um meinen Weg zu finden und für mich zu sorgen“, sagt er. „Trotzdem ist es sehr hilfreich, dass es Menschen gibt, die mir in fremder Umgebung helfen.“

 

„Fighting Blindness organisiert in jedem Jahr drei aktive Veranstaltungen”, erklärt Avril Daly, „für die Fittesten und Wagemutigsten eine Expedition zum Mt. Everest, eine weniger anstrengende und kürzer dauernde Aktivität in Europa und ein dritte Veranstaltung in einer exotischen Region, wie z.B. in Tanzania, Vietnam oder Neuseeland. Unsere Veranstaltungen kreisen um individuelle Herausforderungen, die nichts für Zaghafte sind: Die Teilnehmer können bis zu fünf oder sechs Stunden am Tag marschieren oder 100 km radfahren. Definitiv nicht eine Reise, die Ihnen Ihr Reisebüro zusammenstellt!”

 

Whizzards of Oz 2009“Mehr als 1000 Menschen haben sich bisher an unseren aktiven Veranstaltungen beteiligt“, fährt Avril Daly fort. „Dies hat uns geholfen, mehrere wichtige Ziele zu erreichen: Die Arbeit von Fighting Blindness ist jetzt an vielen Orten bekannt, das Verständnis für Sehbehinderungen und ihre seltenen Ursachen ist gewachsen und nicht zuletzt haben wir Geld für die Forschung gesammelt. Viele Teilnehmer arbeiten auch nach den Veranstaltungen weiter mit unserer Organisation zusammen. Gibt es einen besseren Weg, Hilfsnetzwerke aufzubauen? Natürlich liegen Hindernisse auf diesem Weg. Jede unserer Initiativen erfordert fast 1 Jahr Vorbereitung, sie müssen sorgfältig vermarktet werden, die Organisatoren vor Ort müssen mit Bedacht ausgesucht werden, alles muss stimmen, damit die persönliche Sicherheit gewährleistet ist. Manchmal gibt es auch negative Stimmen von Leuten, die unsere Unternehmungen als rundum bezahlte Ferienreisen wahrnehmen, die nicht verstehen, dass es sich um eine persönliche Herausforderung, ein kulturelles Erlebnis und um Aufklärung über seltene Augenkrankheiten handelt, dass damit Fighting Blindness in die Lage versetzt wird, Forschung für die Patienten zu unterstützen.“ Und Avril Daly fasst noch einmal zusammen: „In Irland wird viel von der medizinischen Forschung durch Patienten und gemeinnützige Organisationen finanziert, die gelernt haben, für die Unterstützung ihrer Projekte zu werben und sie innovativ zu finanzieren.“

 

An der Fahrradtour durch Australien kann man jetzt nicht mehr teilnehmen, aber Fighting Blindness plant für 2010 schon einen Treck in Transsylvanien und einen weiteren in Peru. Warum nicht eine solche Herausforderung annehmen? Sie werden es nicht bereuen. Oder vielleicht wollen Sie selbst eine harte Nuss knacken und mit ähnlichen Unternehmungen im eigenen Land Forschung über besondere Krankheiten unterstützen ...

 

Lesen Sie mehr:

Whizzards of Oz Australia Cycling Challenge und Reiseroute

Fighting Blindness Aktiv-Veranstaltungen

 

Autor: Jérôme Parisse-Brassens
Übersetzer: Ulrich Langenbeck

 

 

 

Page created: 16/12/2009
Page last updated: 18/10/2012
 
 
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