Kann ich eine Nebenwirkung melden, ohne dies mit meinem Arzt zu besprechen?

Es wird empfohlen, dass Sie dies immer mit Ihrem Arzt besprechen. Aber vielleicht zögern Sie aus irgendwelchen Gründen, die Arzneimittelnebenwirkung mit Ihrem Arzt zu besprechen. Natürlich ist dies ihre eigene Entscheidung. Sie tragen die Verantwortung für Ihre Gesundheit.

  • Die Tatsache, dass Beschäftigte des Gesundheitswesens sich Beschwerden über mögliche Nebenwirkungen nicht anhören oder Zweifel, dass eine Meldung gemacht wird, werden oft als Hauptgründe zitiert, warum Patienten die Meldung selbst vornehmen, ohne das Problem vorher mit ihrem Arzt zu besprechen*;

  • Forschungsergebnisse zeigen, dass Patienten eher dazu geneigt sind, eine Nebenwirkung nach deren Abklingen zu melden, da dies eine echte Erleichterung bedeutet. Beschäftigte des Gesundheitswesens neigen dazu, Nebenwirkungen zu melden, sobald sie sie erkennen, führen aber Folgemeldungen nach Abklingen der Nebenwirkung nicht konsistent durch.

  • Beschäftigte des Gesundheitswesens konzentrieren sich häufig auf schwerwiegende Nebenwirkungen und weniger auf die weniger ernsten Nebenwirkungen, welche dennoch Ihr tägliches Legen stark beeinträchtigen können. Zum Beispiel, falls Sie an losem Stuhl leiden, aber noch keinen Durchfall haben, dann werden nur wenige Ärzte dies melden wollen. Aber aufgrund der Auswirkungen auf Ihre tägliche Routine (Sie müssen ständig eine Toilette in Ihrer Nähe haben), empfinden Sie dies als eine wichtige Wirkung, die Sie melden möchten;

  • Nicht alle Themen lassen sich leicht besprechen, selbst mit Beschäftigten des Gesundheitswesens, denen Sie vertrauen. Es könnte Ihnen schwerfallen, intime und sehr persönliche Probleme bei einem Arztbesuch anzusprechen. Im Gegensatz dazu ist es vielleicht leichter für Sie, etwas Intimes, auf ihr Sexualleben Bezogenes, wie zum Beispiel Libidoverlust, auf einer Website anzugeben.

  • Es gibt Dinge, die wir als Patienten tun, über die unsere medizinischen Betreuungspersonen nicht unbedingt etwas wissen sollen. Idealerweise sollten wir immer alles leicht mit unseren Ärzten besprechen können, aber dies ist nicht immer der Fall. Zum Beispiel kann es schwerfallen, Ihrem Arzt zu gestehen, dass Sie die dreifache vorgeschriebene Dosis eines Schmerzmittels eingenommen haben, weil die Schmerzen einfach nicht erträglich waren. Oder falls Sie sich den Rat eines Freundes folgend selbst medizinisch versorgt haben, und sie möchten Ihren Arzt nicht kränken und möchten deshalb diese Information nicht offenlegen. Es ist auch manchmal nicht einfach, die Anwendung von unerlaubten Produkten zu erwähnen. In solchen Fällen helfen Selbstauskunftssysteme Patienten, Anonymität und Vertraulichkeit bei der Meldung von Nebenwirkungen zu bewahren.
     
  • Patienten selbst können ihre Lebensweise am besten beschreiben: die Anwendung von natürlichen, alternativen, traditionellen, ergänzenden Arzneimitteln, Alkoholkonsum, spezielle Ernährung, eingenommene pflanzliche Produkte, körperliche Bewegung; Lebensstil ... all diese Informationen sind wichtig, und der Patient kann sie am besten selbst beschreiben.

Diese Gründe sind völlig berechtigt und gerechtfertigt. Selbst wenn Sie idealerweise Ihren Arzt informieren und von ihm erwarten, dass er die Nebenwirkungen meldet, können Sie die Nebenwirkungen auch selbst melden. Bei der Meldung können Sie den Namen Ihres Arztes angeben. Dies hilft den Pharmakovigilanz-Behörden, falls sie Ihren Arzt für weitere Maßnahmen kontaktieren müssen, oder falls sie zusätzliche Informationen zum Verstehen des Geschehenen benötigen.


*A Decade of Safety-Related Regulatory Action in the Netherlands. A Retrospective Analysis of Direct Healthcare Professional
Communications from 1999 to 2009
Peter G.M. Mol,1,2 Sabine M.J.M. Straus,2,3 Sigrid Piening,1 Jonie T.N. de Vries,1
Pieter A. de Graeff1,2 and Flora M. Haaijer-Ruskamp1
Drug Saf 2010; 33 (6): 463-474

 

Page created: 24/01/2013
Page last updated: 07/11/2014
 
 
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